Die Gründung des Sinfonieorchesters St. Gallen im Jahre 1877 füllt in
ein Jahrzehnt, in welchem in mehreren traditionsreichen Schweizer
Städten die noch heute bestehenden Berufsorchester als ständige
Klangkörper ins Leben gerufen wurden. St. Gallen hatte allerdings
bereits in den 1850er Jahren eine Tradition von Abonnementkonzerten
initiiert, in deren Verlauf Franz Liszt und Richard Wagner als
Dirigenten ihr erstes gemeinsames Konzert gaben. Geschichte und
Werdegang des Orchesters sind Anfang des 20. Jahrhunderts eng verbunden
mit dem bedeutenden Schweizer Komponisten und Dirigenten Othmar
Schoeck, der das Orchester von 1917 bis 1944 leitete. Nach ihm waren es
so epochale Künstlerpersönlichkeiten wie Carl Schuricht, Paul Kletzky
und André Cluytens, die dem Orchester entscheidende Impulse verliehen.
Nach Dirigenten wie Samuel Friedman und John Neschling liegt heute die
künstlerische Leitung des Orchesters in Händen von Chefdirigent Jiři
Kout, der das Orchester 1996 neben zahlreichen internationalen
Verpflichtungen übernahm, und seinen Klang und sein Selbstverständnis
durch kontinuierliche Arbeit massgeblich prägte. Daneben arbeitet das
Orchester mit einer Vielzahl von Gastdirigenten, unter denen in
jüngerer Zeit Persönlichkeiten wie Alexander Lazarew, Leopold Hager,
Serge Baudo, Yuri Ahronovitch, Andrey Boreyko, John Fiore, Leif
Segerstam, Muhai Tang, Petri Sakari, Eiji Oue, Stefan Blunier und David
Stern hervorgehoben seien. Als Solisten wirken international
herausragende Künstlerpersönlichkeiten bei den Konzerten des Orchesters
mit; in den vergangenen Jahren waren u.a. Frank-Peter Zimmermann,
Rudolf Buchbinder, Elisabeth Leonskaja, Imogen Cooper, Boris Belkin,
Emmanuel Pahud, Renaud und Gautier Capuçon, Alfredo Perl, Christian
Lindbergh, Evelyn Glennie, Akiko Suwanai, Gerhard Oppitz, Mihaela
Ursuleasa, Baiba Skride, Paul Meyer, Patrick Gallois, Arabella
Steinbacher, Alexandre Tharaud und Iris Vermillion in der Tonhalle St.
Gallen zu Gast.
Weitere wichtige Schwerpunkte der Arbeit des Sinfonieorchesters St.
Gallen bilden die Mitwirkung in fast sämtlichen
Musiktheaterproduktionen des Theaters St. Gallen sowie das Engagement
in der Kinder- und Jugendarbeit. Auch der Kammermusik wird ein hoher
Stellenwert eingeräumt; neben dem international besetzten
„Meisterzyklus“ präsentieren Musikerinnen und Musiker des Orchesters
die seit einigen Jahren höchst erfolgreiche Kammermusikreihe „Sonntags
um 5“ sowie Serenadenkonzerte.