Biographie
1954 geboren und in Brienz aufgewachsen, ist René Wohlhauser ein sehr vielseitiger Musiker mit einem stilistisch breiten Spektrum, der in verschiedenen Sparten ein sehr umfangreiches kompositorisches Werk geschaffen hat, das inzwischen über 1500 Werknummern umfaßt. Langjährige Erfahrungen als Rock- und Jazzmusiker, bevor er sich der klassischen und zeitgenössischen Musik zuwandte.
1975-79 Konservatorium (Musikhochschule) Basel: Kontrapunkt, Harmonielehre, Analyse, Partiturspiel, Improvisation, Instrumentation und Komposition bei Thomas Kessler, Robert Suter, Jacques Wildberger und Jürg Wyttenbach. Dazu weitere Kurse in Elektronischer Musik, Filmmusik, Außereuropäischer Musik und Dirigieren, sowie in Philosophie (bei Hans Saner). Lehrdiplom als Musiktheorielehrer. Anschließend Kompositionskurse bei Kazimierz Serocki, Mauricio Kagel, Herbert Brün und Heinz Holliger; eingehende Kompositionsstudien bei Klaus Huber an der Staatlichen Musikhochschule in Freiburg im Breisgau (1980-81) und bei Brian Ferneyhough (1982-87).
1978: Kompositionspreis Valentino Bucchi, Rom, für "Souvenirs de l'Occitanie" für Klarinette.
1981: Kompositionspreis des Verbandes Deutscher Musikschulen, Bonn, für "Stilstudien" für Klavier, vier Gitarren und zwei Schlagzeuger.
1983: Kompositionspreis der Vereinigung der Jugendmusikschulen des Kantons Zürich.
1984: Kompositionspreis von Stadt und Kanton Fribourg für "Fragmente für Orchester".
1987: Kompositionspreis des Domkapitels Salzburg für das "Orgelstück".
1988: Kranichsteiner Stipendienpreis der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt für "Adagio assai" für Streichquartett (UA durch das Arditti-Quartett).
1990: Kompositionspreis der Ostschweizer Stiftung für Musik und Theater, St. Gallen: 1. Preis für das "Klarinettentrio Metamusik".
1991: Kulturförderpreis des Kantons Luzern.
1992: Anerkennungspreis der Schweizer Gesellschaft für musikpädagogische Forschung, Zürich, für den mehrfach publizierten Aufsatz "Von einfachen graphischen Notationen und Verbalpartituren zum Denken in Musik".
1996: Auswahlpreis "Selection" von Swiss Radio International für die Porträt-CD "in statu mutandi".
1998: Kulturförderpreis des Kantons Basel-Landschaft.
2004: Uraufführung der Oper "Gantenbein" am Luzerner Theater in Zusammenarbeit mit dem internationalen Festival der Weltmusiktage und dem Luzerner Sinfonieorchester.
2008/2009/2010/2011 …: Tourneen mit dem eigenen Ensemble "Polysono" in Basel, Bern, Zürich, Luzern, Weimar, München, Berlin, Wien, London.
Komponiert Solo-, Kammer- und Orchestermusik, Orgelwerke, sowie Musiktheater.
Zahlreiche Aufführungen im In- und Ausland, so u.a. im Schauspielhaus Berlin, Nôtre-Dame-de-Paris, Concertgebouw Amsterdam, Tokyo, Rom, Toronto, New Castle, Aserbaidschan, Skandinavien, Basel, Zürich, Frankfurt, Speyrer Dom, Klangforum Wien, Glinka-Saal St. Petersburg, Herkules-Saal der Residenz in München, sowie öfters an Festivals wie den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik, den Tagen für Neue Musik Zürich, den internationalen Festivals in Odessa, Sofia, Cardiff, Brisbane und dem Schweizerischen Tonkünstlerfest. Etliche Porträtkonzerte.
Gastdozent für Komposition an den Int. Ferienkursen Darmstadt (1988-94), am Festival in Odessa (1996-98) und am int. Komponisten-Atelier in Lugano (2000).
Umfangreiche Vortragstätigkeit vor allem über eigene Werke, auch in Rundfunksendungen.
Publikationen über kompositorische, ästhetische und philosophische Aspekte der Neuen Musik u.a. in: "MusikTexte" Köln, "Neue Zürcher Zeitung", "Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik", "New Music and Aesthetics in the 21st Century".
Kompositionsaufträge aus dem In- und Ausland. Werkproduktionen durch in- und ausländische Rundfunkanstalten, sowie Porträtsendungen und Gastvorträge beim Radio.
Portrait-CDs, Lexikon-Einträge und Artikel von verschiedenen Musikwissenschaftlern dokumentieren seine Arbeit.
Kulturpolitisches Engagement (Komponistenforum Basel, Schweizerisches Komponisten-Kollegium, weltweites Partiturenvertriebssystem "Adesso").
Unterrichtet seit 1979 Komposition, Musiktheorie und Improvisation an der Musikakademie Basel (und von 1979 bis 1991 an der Akademie Luzern), sowie an der SAMP/Kalaidos Musikhochschule. Lebt als freischaffender Komponist in Basel.
:: Ausschnitte aus Rezensionen
Zu den interessantesten jüngeren Schweizer Musikerfindern zählt der 1954 geborene René Wohlhauser, dessen Ästhetik sich gleichermaßen an der Tradition der Moderne (am stärksten wohl der Wiener Schule) wie an naturwissenschaftlichen Theoremen der Gegenwart herausbildet. (Sigfried Schibli in der "Basler Zeitung", 28. Februar 1996.)
Bei näherem Hinhören entpuppt sich seine Musik als komplexes Geflecht von Bewegungen, von Energien, von Kraftlinien. Der in Basel lebende Komponist René Wohlhauser, Schüler von Jacques Wildberger und Brian Ferneyhough, läßt sich immer wieder von philosophischen, künstlerischen und naturwissenschaftlichen Ideen inspirieren, von Hegels Zeitbegriff, Monets Wirklichkeitsauffassung oder Leonhard Eulers Unendlichkeitsbegriff. Wohlhauser strebt in die Tiefe. Davon ausgehend aber gelangt er zu einer genuin musikalischen Darstellung. Sein ästhetisches Ziel ist: nicht modisches Gewerbe, sondern Authentizität. Die vielschichtigen Prozesse in seiner Musik können so auch als Parabel auf die komplexen Vorgänge in dieser Welt aufgefaßt werden. (Thomas Meyer im "Tele" zum Komponistenporträt auf Radio DRS 2 am 27. September 1995.)